Gattung Plateumaris Thoms.

ChrysomelidaeDonaciinae
Von Arved LompeLiteraturverzeichnis ⇒
Von Donacia durch robustere Gestalt, gewölbtere Flügeldecken und die Naht der Flügeldecken unterschieden, deren obere Nahtkante aufgebogen ist, so daß man die untere Kante deutlich erkennen kann. Die Arten leben mehr in Ufernähe in sumpfigem Gelände auf Schilf und Riedgräsern.
Goecke (1943) vermutete, daß es sich bei discolor um eine Art der Hochmoore oder eine Form von P. sericea handelt. Nach Askevold (l.c.) sollen affinis (=rustica) und discolor (=sericea) keine distinkten Arten sein. Diese Synonymisierungen kann ich nicht nachvollziehen; die Länge der Fühlerglieder ist etwas variabel, aber neben der Oberflächenstruktur sind auch Unterschiede im Genitalbau vorhanden, die zusammen mit der unterschiedlichen Lebensweise eine Arttrennung rechtfertigen. Auch Menzies & Cox (l.c.) folgen dieser Auffassung, ebenso Silverberg im Katalog der Paläarktischen Käfer (2010). Die von Reitter gebildeten Untergattungen sind bei weltweiter Betrachtung der Gattung nicht aufrecht zu erhalten (Askevold l.c.).
In der Tabelle fehlen die mir unbekannten Arten:
Bosnien-Herzegowina ...tenuicornis Balthasar, 1934
Südrußland ...caucasica Zaitzev, 1930
#1
→ 2Der untergebogene, seitliche Teil des Halsschilds mit einer ziemlich tiefen Aushöhlung für die Schenkel. Beine schlanker und zierlicher; Schienenspitze und Tarsen bei beiden Geschlechtern schlank, wenig verbreitert [Abb. 1]; 1. und 2. Tarsenglied deutlich länger als breit, von der Basis zur Spitze gleichmäßig ziemlich schwach erweitert. Schenkel an der Außenseite dicht, fast runzelig punktiert, die Zwischenräume kaum erkennbar. Schienen mit einer vollkommenen Leiste am Außenrand und einer verkürzten an den Innenseiten; Hinterschenkel nicht verdickt, bei beiden Geschlechtern mit einem spitzen Zahn versehen. (Untergattung Plateumaris bei Reitter)
plateumaris_sericea_tr.jpg
Abb. 1
→ 3-Der untergebogene Teil des Halsschilds nicht oder nur schwach ausgehöhlt. Hinterschenkel des ♂ mit spitzem, des ♀ mit stumpfem oder verloschenem Zahn. Die Beine, besonders beim ♂, viel kompakter; Schienenspitze trompetenartig verbreitert; 1. und 2. Tarsenglied so breit wie oder breiter als lang, an der Basis schmal, zur Spitze stark, gerundet erweitert [Abb. 2]. (Untergattung Juliusiana bei Reitter).
plateumaris_braccata_tr.jpg
Abb. 2
#2
discolor (Panzer, 1795)Fundmeldungen🗺Coleoweb lacordairii Perris, 1864Scheibe des Halsschilds längs der Mitte stärker punktiert und schräg gerunzelt [Abb. 3]; Unterseite mäßig dicht gelbgrau behaart, kleiner (6,5-9 mm); Oberseite erzfarben, grün, blau, rot, violett oder golden, selten schwarz. Aedoeagus [Abb. 4]. B: In Mooren und anmoorigen Bereichen an ·Eriophorum alpinum· und ·Carex·-Arten. VI-VII. D: Nord- bis Mitteleuropa. In Spanien noch die mir nicht bekannte discolor ssp.
plateumaris_discolor_vk.jpg
Abb. 3
plateumaris_discolor.jpg
Abb. 4
sericea (L., 1761)Fundmeldungen🗺Coleoweb-Scheibe des Halsschilds ziemlich gleichmäßig und sehr fein skulpturiert [Abb. 5]; Fühler bis auf die manchmal rötlichen Gelenke vollständig metallisch. Habitus [Abb. 6]. Unterseite dicht goldgelb behaart: Färbung wie discolor. Aedoeagus [Abb. 7]. 7-10,5 mm. B: In +/- eutrophen Bereichen an ·Iris pseudacorus· und ·Carex·-Arten. IV-VII. D: Paläarktis. Nach Geiser (l.c.) ist discolor ein Synonym zu der extrem variablen und weit verbreiteten sericea. Auch die unterschiedlichen Lebensräume hält sie nicht für ein trennendes Merkmal. Andererseits schließt sie nicht aus, das sich unter sericea kryptische Arten verbergen, die allerdings nicht durch discolor repräsentiert würden. Nach meinen mitteleuropäischen Belegen sind die Formen nach dem Lebensraum, dem Genital und der Oberflächenstruktur des Halsschilds gut und eindeutig zu trennen; auch Menzies & Cox (l.c.) führen discolor als gute Art. Das mag weiter östlich anders sein, aber ich behalte die Trennung erst einmal bei.
plateumaris_sericea_vk.jpg
Abb. 5
plateumaris_sericea_hab.jpg
Abb. 6
plateumaris_sericea.jpg
Abb. 7
#3
→ 4Halsschild im vorderen Drittel am breitesten [Abb. 8] [Abb. 9], an den Seiten hinter den Vorderecken deutlich gerundet erweitert; oben querüber stark gewölbt. Schenkel an der Außenseite +/- dicht gleichmäßig punktiert, die Zwischenräume glänzend oder undeutlich chagriniert.
plateumaris_braccata_vk.jpg
Abb. 8
plateumaris_consimilis_hsch.jpg
Abb. 9
rustica (Kunze, 1818)Fundmeldungen🗺Coleoweb-Halsschild mit fast geraden Seiten, hinter den abgerundeten, nicht als Spitze vorstehenden Vorderecken nicht erweitert [Abb. 10]. Schenkel an der Außenseite zwischen der gleichmäßigen Grundpunktierung mit einzelnen größeren und tieferen Punkten besetzt (bei wechselndem Lichteinfall betrachten) und die Zwischenräume deutlich chagriniert. Größer, Hinterleib gewöhnlich teilweise geschwärzt (einzelne ♂ besitzen schwarzen Hinterleib und Beine); Fühler schlanker, ganz oder teilweise angedunkelt; Halsschild nach der Basis zu eingeengt [Abb. 10]; Hinterschenkel des ♂ oft mit einem dreieckigen, sehr kurzen, breiten Zähnchen; Oberseitenfärbung beim ♂ schwarz oder leicht metallisch glänzend [Abb. 11], beim ♀ deutlich bronzefarben [Abb. 12]. Aedoeagus [Abb. 13] [Abb. 14] [Abb. 15] [Abb. 16]. 7-9 mm. B: Als Fraßpflanzen werden ·Cladium mariscus· und ·Carex·-Arten angegeben. IV-VI. D: Mitteleuropa. (=affinis Kunze, 1818) (=sulcifrons Weise, 1900)
plateumaris_rustica_vk.jpg
Abb. 10
plateumaris_rustica_vk.jpg
Abb. 10
plateumaris_rustica_hab.jpg
Abb. 11
plateumaris_rustica_w_hab.jpg
Abb. 12
plateumaris_rustica2.gif
Abb. 13
plateumaris_rustica.gif
Abb. 14
plateumaris_rustica.jpg
Abb. 15
plateumaris_rustica2.jpg
Abb. 16
#4
→ 5Schläfen bei Ansicht von oben gegen den Hals einfach, stumpf- bis rechtwinkelig abgesetzt [Abb. 17].
plateumaris_braccata_k.jpg
Abb. 17
consimilis (Schrk., 1781)Fundmeldungen🗺Coleoweb-Schläfen gegen den Hals durch eine tiefe Einkerbung abgesetzt [Abb. 18]. Gedrungene Art mit etwas herzförmig verengtem Halsschild. Flügeldecken nicht doppelt so lang wie zusammen breit [Abb. 19]; Seitenbeule des Halsschilds wenig stark hervortretend und bei beiden Geschlechtern gleichstark punktiert; Vorderecken des Halsschilds spitzer [Abb. 9]. Der Schildchenstreifen auf den Flügeldecken ist fast niemals einreihig, sondern fast stets mehr oder weniger verworren punktiert. Oberseite bronzen, kupfern, grün oder schwärzlich; Beine rötlich, oft angedunkelt. Aedoeagus [Abb. 20] [Abb. 21]; Spermatheka [Abb. 22]. 6-8 mm. B: An ·Caltha palustris· und ·Carex·-Arten. IV-VI. D: Mitteleuropa, südliches Nordeuropa.
plateumaris_consimilis_k.jpg
Abb. 18
plateumaris_consimilis_hab.jpg
Abb. 19
plateumaris_consimilis_hsch.jpg
Abb. 9
plateumaris_consimilis.gif
Abb. 20
plateumaris_consimilis.jpg
Abb. 21
plateumaris_consimilis_sperm.jpg
Abb. 22
#5
bracata (Scop., 1772)Fundmeldungen🗺ColeowebSchlankere und größere Art [Abb. 23]; Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie zusammen breit (an der größten Breite gemessen); Seiten des Halsschilds deutlicher hervortretend und besonders bei den ♂ fast glatt; Vorderecken des Halsschilds an der Spitze ± abgestumpft [Abb. 8]; Flügeldecken dunkel mit violettem Schimmer, häufig Halsschild mit bläulichem oder grünlichem Schein; Fühler und Beine rötlich. Aedoeagus [Abb. 24] [Abb. 25]. 8-11 mm. B: An ·Phragmites communis·. V-VI. D: Mitteleuropa, südliches Nordeuropa.
plateumaris_braccata_hab.jpg
Abb. 23
plateumaris_braccata_vk.jpg
Abb. 8
plateumaris_braccata.gif
Abb. 24
plateumaris_braccata.jpg
Abb. 25
weisei Duvivier, 1885🗺Coleoweb-Kleinere, gedrungenere Art mit relativ kürzeren Flügeldecken [Abb. 26], sehr ähnlich consimilis; Schildchenstreif fast immer einreihig, die Punktreihen feiner und die Zwischenräume breiter, die Oberfläche daher insgesamt glatter erscheinend. Golden, bronzefarben, grün [Abb. 27] bis (selten) violett. D: Nordische Art; von Schweden und Finnland bis Japan.
plateumaris_weisei.jpg
Abb. 26
plateumaris_weisei_hab.gif
Abb. 27
Enthaltene Taxabracata consimilis discolor lacordairii rustica sericea weisei
Literaturverzeichnis
Bechyné, J. (1945): Additamenta ad cognitionem Phytophagorum etc. - Entom. Listy 8:87-91.
Askevold, I. (1991): Classification, Reconstructed Phylogeny, and Geographic History of the New World Members of Plateumaris Thoms. - Mem. Ent. Soc. Canada 157:1-175. >>>"F:\TAXA\coleo\Scans\Askevold1991 Revision Plateumaris.pdf"
Menzies, I.S. & Cox, M.L. (1996): Notes on the Natural History, Distribution and Identification of British Reed Beetles - Br. J. Ent. Nat. Hist., 9: 137-162 >>>"F:\taxa\coleo\scans\Menzies&Cox1996 Donaciinae.pdf"
Geiser, E. (2023): Revision of the Palaearctic species of the genus Plateumaris C. G. Thomson, 1859 (Coleoptera, Chrysomelidae, Donaciinae) - ZooKeys 1177: 167-233 >>>https://zookeys.pensoft.net/article/103214/ oder >>>"F:\TAXA\coleo\Scans\Geiser2023 Plateumaris.pdf"
Erstellt am: 10.12.2010 · Letzte Aktualisierung: 19.01.2025 - 17:51:29
Creative Commons LizenzvertragKäfer Europas herausgegeben von Arved Lompe sind lizenziert unter den Bedingungen der Creative Commons International 4.0 Lizenz BY-SA (Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen)