Gattung: Orchesia Latr.

ColeopteraPolyphagaHeteromeraMelandryidae
Von Arved Lompe (n. Kaszab)
Reitter, E. (1888): Coleopteren aus Circassien, gesammelt von Hans Leder im Jahre 1887 V. Theil - Wiener Entomologische Zeitung 7:207-214. >>>"F:\TAXA\coleo\Scans\Wiener Entomologische Zeitung\Band 7-1888.pdf" p. 212
Roubal, J. (1933): Descriptions de deux Mélandryides d'Europe centrale. - Bulletin de la Société entomologique de France 38(8):128 >>>https://www.persee.fr/doc/bsef_0037-928x_1933_num_38_8_14563 oder >>>"F:\TAXA\coleo\Scans\Roubal1933 Orchesia keili.pdf"
Kopf geneigt, von oben meist nur der Scheitel sichtbar, schließt eng an den Halsschild an. Augen flach, nierenförmig, vorn ausgerandet. Fühler frei eingefügt, die Fühlerwurzel von den Wangen nicht bedeckt. Fühler gekeult. Das Endglied der Kiefertaster lang und flach, die Basis meist nicht breiter als die vorigen Glieder. Halsschild quer, halbkreisförmig, Vorderwinkel fehlen vollkommen, nur der Seitenrand und auch dieser nur hinten gerandet. Flügeldecken so breit wie der Halsschild. Beine dick, die Sporne der Hinterschienen sehr lang. Bei Beunruhigung versuchen sie durch mehrfaches, ungerichtetes Springen zu flüchten, ähnlich wie die Mordelliden. 11 Arten in Europa (inklusive Kaukasus).
#1
→ 2Stirn zwischen den Augen sehr schmal, höchstens halb so breit wie zwischen den Fühlerwurzeln [Abb. 1].
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Abb. 1
→ 4-Stirn zwischen den Augen viel breiter; Augen voneinander viel weiter oder fast so weit entfernt wie die Fühlerwurzeln [Abb. 2]. Fühler zur Spitze allmählich dicker oder mit 4-gliedriger schmaler Keule. Untergattung Clinocara C. G. Thoms..
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Abb. 2
#2
luteipalpis Mulsant, 1857Fundmeldungen🗺ColeowebFühlerkeule 4-gliedrig [Abb. 3]. Untergattung Orchestera Guilleb. Schwarzbraun oder heller braun, Beine, Fühler und Taster gelb. Halsschild an der Basis etwas parallel, dann halbkreisförmig abgerundet. Vorletztes Glied der Vordertarsen gelappt. 4-5 mm. B: In verschiedenen Baumschwämmen. D: Mittel- und Nordeuropa, sehr sporadisch verbreitet und selten.
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Abb. 3
→ 3-Fühlerkeule 3-gliedrig [Abb. 4]. Untergattung Orchesia s.str..
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Abb. 4
#3
fusiformis Solsky, 1871🗺ColeowebHalsschild etwa 1 1/2-mal so breit wie lang, fast von der Basis an konisch und gerade verengt, Basis beiderseits leicht ausgebuchtet. Hintertarsen 3-mal so lang wie die Hinterschienen; das vorletzte Glied der Vordertarsen gelappt. Körper einfarbig braun, Beine und Fühler hell gelbbraun. 4-5 mm. ♀: Endglied der Kiefertaster spindelförmig [Abb. 5]. D: Im östlichen Mitteleuropa sehr selten, auch in Niederösterreich und Bayern. (=acicularis Rtt., 1886)
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Abb. 5
micans (Panzer, 1794)Fundmeldungen🗺Coleoweb-Halsschild fast doppelt so breit wie lang, fast halbkreisförmig, Seiten gerundet und erst vom hinteren Drittel an nach vorne verengt [Abb. 6]. Hintertarsen 2 1/2-mal so lang wie die Hinterschienen; vorletztes Glied der Vordertarsen kaum gelappt. Körper braun, Taster, Beine und Hinterleib heller [Abb. 7]. Aedoeagus [Abb. 8] [Abb. 9]. 4-5 mm. ♀: Endglied der Kiefertaster beilförmig [Abb. 10]. B: In Baumschwämmen an Laubholz aller Art, unter verpilzter Rinde usw. Die Imagines erscheinen manchmal im ersten Frühling und finden sich bis Juli, oftmals auch im Herbst. D: Weit verbreitet und in Europa überall nachgewiesen, nicht selten.
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Abb. 6
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Abb. 7
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Abb. 8
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Abb. 9
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Abb. 10
#4
→ 5Fühler mit 4-gliedriger Keule [Abb. 11], das 7. Glied vom 8 deutlich abgesetzt, länger als breit [Abb. 12]. Die Basis des Halsschilds gerade und mit Eindrücken. Naht der Flügeldecken erhaben. Etwas schlanker [Abb. 13].
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Abb. 11
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Abb. 12
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Abb. 13
→ 7-Fühler gegen das Ende allmählich verdickt [Abb. 14], das 7 Glied nur wenig schmäler als das 8., breiter als lang [Abb. 15]. Die Basis des Halsschilds leicht ausgebuchtet, nur undeutlich oder nicht eingedrückt. Körper relativ breit und kurz [Abb. 16].
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Abb. 14
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Abb. 15
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Abb. 16
#5
minor Walk., 1837Fundmeldungen🗺ColeowebKörper einfarbig braun oder schwarzbraun, die Basis der Fühler und Beine heller. Die Naht der Flügeldecken nur hinten erhaben. Die Basis des Halsschilds beiderseits eingedrückt. Aedoeagus [Abb. 17] [Abb. 18]. 3-4 mm. Habitus [Abb. 13]. B: Unter morschen und verpilzten Baumrinden. D: In Nord- und Mitteleuropa verbreitet, im allgemeinen nur stellenweise und selten. (=sepicola Rosenh.)
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Abb. 17
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Abb. 18
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Abb. 13
→ 6-Flügeldecken braun mit gelben Flecken oder gelb mit schwarzen Flecken. Die Naht der Flügeldecken fast in der ganzen Länge erhaben.
#6
fasciata (Ill., 1798)Fundmeldungen🗺ColeowebFlügeldecken braun, die Basis mit einer ausgebuchteten und die Mitte mit einer geraden gelben Querbinde, sowie an der Spitze mit einem rundlichen gelben Fleck [Abb. 19], Beine, Fühler und Hinterleib hell, Halsschild meist mit erloschenen braunen Flecken. Aedoeagus [Abb. 20]. 3-4,5 mm. B: An Baumschwämmen von Laub- und Nadelhölzern, in verpilzten, auf dem Boden liegenden Ästen. D: In Nord- und Mitteleuropa, besonders im Osten, im allgemeinen selten.
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Abb. 19
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Abb. 20
undulata Kr., 1853Fundmeldungen🗺Coleoweb-Die vordere Hälfte der Flügeldecken - ausgenommen einige kleinere Flecken - und eine Querbinde vor dem Ende rötlichgelb, zwischen diesen zieht sich eine im Zickzack laufende, schwarze Querbinde [Abb. 21] [Abb. 22]. Kopf und der größte Teil des Halsschilds rotgelb, Fühler, Beine und Hinterleib ebenfalls hell, Brust schwarz. Aedoeagus [Abb. 23]. 4-5 mm. B: An Baumschwämmen und unter Rinde morscher Laubbäume. D: In Europa besonders im Westen und Süden verbreitet; selten.
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Abb. 21
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Abb. 22
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Abb. 23
maculata Mulsant & Godart, 1856🗺Coleoweb-Flügeldecken gelbrot mit schwarzbrauner Zeichnung: eine dunkle Makel im Schildchenbereich, eine dunkle Makel in der Mitte am Seitenrand und ein dunkles Querband im letzten Drittel. 5-6 mm. D: Sizilien.
#7
Für die auf diese Leitziffer folgenden Arten (grandicollis, blandula) muß die Tabelle umgeschrieben werden, da hierher bisher auch Arten gesetzt wurden, die vielleicht nicht zur Gattung Orchesia gehören. [Abb. 24]
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Abb. 24
blandula Brancsik, 1874Fundmeldungen🗺Coleoweb-Halsschild und Flügeldecken auf genetztem Grund bis zur Spitze gleichmäßig punktiert: an der Basis grob und dicht [Abb. 25] [Abb. 26], nach hinten kaum feiner, aber etwas weniger dicht. Habitus [Abb. 27]. Unterseite Vorderbrust [Abb. 28] und Hinterbrust [Abb. 29]. ♂: Aedoeagus [Abb. 30], letzte Hinterleibssegmente [Abb. 31]. D: Polen: Tatra, Polenica.
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Abb. 25
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Abb. 26
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Abb. 27
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Abb. 28
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Abb. 29
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Abb. 30
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Abb. 31
→ 7a-Flügeldecken auf genetztem Grund ungleich punktiert: an der Basis etwas gröber, nach hinten sehr fein und dicht; die Punkte flach, von hinten eingestochen [Abb. 32].
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Abb. 32
#7a
→ 8Flügeldecken an der Basis ohne Spur von Punktreihen. Körperumriß an den Seiten zwischen Halsschild und Flügeldecken fast stetig gerundet.
grandicollis Rosh., 1847Fundmeldungen🗺Coleoweb-Flügeldecken an der Basis mit gröberen Punktreihen, die jedoch meist schon vor der Mitte erlöschen [Abb. 33] [Abb. 34] (nicht immer so deutlich wie auf den Bildern). Körperumriß zwischen Halsschild und Flügeldecken deutlich winkelig eingeschnitten. Schildchen noch breiter. Einfarbig schwarz oder braun, Fühler und Beine heller. Aedoeagus [Abb. 35]; Parameren vor der Spitze nach innen-oben dreieckig erweitert [Abb. 36]. 3,2-4,5 mm. B: An verpilzten Stümpfen von Laubholz, auch unter abgefallenem Laub. D: Montane bis subalpine Art des Ostalpen-Gebietes. In Õsterreich und in Bayern verbreitet, selten. Orchesia ? (=laticollis Redtb.)
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Abb. 33
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Abb. 34
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Abb. 35
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Abb. 36
#8
sp-italiaSchildchen doppelt so breit wie lang [Abb. 32]. Körper schwarz oder braun, Beine heller. Manchmal ist die Basis des Halsschilds beiderseits schräg eingedrückt oder auch in der Mitte mit einem kleinen Eindruck. 2-3,5 mm. Aedoeagus [Abb. 37]. B: In Buchenwäldern unter verpilztem Laub. D: Eine montane Art des südöstlichen Mitteleuropas; kommt auch in Österreich und in den Sudeten vor; selten. Orchesia ?
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Abb. 32
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Abb. 37
kamberskyi Reitter, 1888🗺Coleoweb-Ex Reitter (l.c.): "Der Or. blandula Branczik sehr nahe stehend, aber hell gelbrot gefärbt, weniger dicht, doch sehr fein und mehr gelblich behaart, der Halsschild ist länger und grösser und seine Hinterwinkel umfassen vollkommen die Flügeldecken, oben ohne Eindrücke; die Flügeldecken mehr eiförmig, nach hinten stark verschmälert, der höchst feine Suturalstreifen nur an der Spitze streifenartig niedergedrückt, die Fühler sind kürzer und die Vordertarsen beim ♂ viel weniger erweitert. Die Punktur der Oberseite noch beträchtlich feiner, die Schienen breiter. Bei einer häufig auftretenden Varietät ist die Spitze der Flügeldecken und eine Querbinde weit hinter der Mitte angedunkelt. Ich habe hierfür den Namen v. fuscofasciata in Anwendung gebracht." D: Georgien, Südrußland, Türkei.
keili Roubal, 1933🗺Coleoweb-Ex Roubal (l.c., übersetzt): "Wie blandula, aber die Skulptur auf der Rückseite des Halsschilds und der Flügeldecken weist einige charakteristische Merkmale auf. Der Halsschild ist etwas weniger konvex, stärker chagriniert und weniger glänzend, vor allem aber doppelt so fein und fast dreimal so spärlich punktiert; die Flügeldecken sind feiner und spärlicher punktiert. Die seitlichen Eindrücke der Halsschildbasis, die für blandula und ihre beiden Varietäten so charakteristisch sind, sind sehr lang, reichen zum Scheitel hin über die Hälfte des Halsschilds hinaus und sind nach vorne und hinten vertieft. Der Aedeagus besteht aus zwei symmetrischen Seitenlappen, zwischen denen sich ein stielförmiger Mittellappen befindet; diese drei Teile sind gleich lang, gerade und parallel, während sie bei blandula gekrümmt sind, ihre Spitzen nach oben zeigen und der Mittelteil viel kürzer ist als die Seitenteile. Der Körper ist gelblich-braun gefärbt." In coll Roubal ein ♂, Biharfured, Mihok. D: Rumänien, Bihar.
Enthaltene Taxablandula fasciata fusiformis grandicollis kamberskyi keili luteipalpis maculata micans minor sp-italia undulata
Erstellt am: 20.05.2009 · Letzte Aktualisierung: 28.08.2025 - 01:24:31
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