Gattung Carabus Linné 1758

CarabidaeCarabinaeCarabini
Von Achille Casale & Oleg L Kryzhanovskij
Casale, A. & Kryzhanovskij, O.L. (2003): Key to the adults in: Turin et al. (Hrsg.) 'The genus Carabus in Europe' - Pensoft, Sofia >>>"F:\taxa\coleo\scans\Turin_et_al2003 The Genus Carabus in Europe.pdf"
Große Laufkäfer von 10-60 mm. Von fast allen Arten sind zahlreiche Formen und Variationen (Unterarten, Rassen, 'Nationes', etc.) beschrieben, die aber nicht weiter aufgeschlüsselt wurden, um die Tabelle übersichtlich zu halten. Die Arten leben räuberisch am Boden und sind zum Teil extreme Nahrungsspezialisten.
Die Einteilung der Flügeldeckenskulptur der Gattung Carabus verwendet Bezeichnungen die auch in der Genetik gebräuchlich sind. Die Grundstrunktur einer Flügeldecke sind 3 Primärstreifen (zum Beispiel C. granulatus [Abb. 1]) die aber zu Körnchen reduziert oder ganz verschwunden sein können (zum Beispiel C. glabratus [Abb. 2], C. violaceus violaceus [Abb. 3]). Zwischen diesen gibt es manchmal sekundäre Intervalle (die nicht unterbrochenen Rippen) zwischen den Streifen, oder Ketten von Körnern; diese Skulptur wird als 'diploid' bezeichnet. Zwischen den primären und sekundären Intervallen können tertiäre oder weitere Intervalle auftreten [Abb. 4]. Diese Skulpturen werden nachfolgend triploid, tetraploid, pentaploid und heptaploid genannt, also 3 bis 7 Intervalle zwischen den Primärstreifen. Aufbauend auf diesem Grundmuster gibt es zahlreiche Variationen [Abb. 5] [Abb. 6] [Abb. 7]. Siehe auch Anmerkung am Schluß der Tabelle ...99
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Abb. 1
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Abb. 2
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Abb. 3
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Abb. 4
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Abb. 5
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Abb. 6
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Abb. 7
Unter 'cychrisiert' wird die Verschmälerung und Verlängerung von Kopf und Mandibeln verstanden (wie bei der Gattung Cychrus typisch ausgebildet), die es den Tieren ermöglicht auch in kleine Schneckengehäuse zu gelangen.
Tabelle für die Paläarktis nach Breuning >>>Carabus_OT
Tabelle für Mitteleuropa >>>Carabus_ME
Tabelle der Untergattungen
#1
→ 2Halsschildseitenrand mit Borstenpunkten, die mittleren manchmal fehlend, aber in den Hinterwinkeln immer vorhanden.
→ 55-Halsschildseitenrand ohne Borstenpunkte.
#2
→ 3Mandibeln kurz und breit, der Innenrand größtenteils gerade, aber vor der Spitze kräftig nach innen gebogen [Abb. 8] ('Carabi brevimandibulares').
carabus_brevimandibular.gif
Abb. 8
→ 30-Mandibeln lang und meist schlank, sichelförmig, am Innenrand gleichmäßig gebogen [Abb. 9]; selten nur schwach gebogen, dann aber Kopf verdickt mit kleiner Oberlippe die schmäler ist als der Clypeus an der Basis ('Carabi longimandibulares').
carabus_longimandibular.gif
Abb. 9
#3
Hemicarabus Gehin, 1876Spitze der Vorderschienen außen fingerförmig ausgezogen [Abb. 10]. 3. Fühlerglied innen abgeflacht und gekanted [Abb. 11]. Habitus [Abb. 12].
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Abb. 10
carabus_nitens_f.jpg
Abb. 11
carabus_nitens_hab.jpg
Abb. 12
→ 5-Vorderschienen an der Spitze gerundet, ohne Fortsatz. 3. Fühlerglied einfach, rund.
#5
→ 6Endglied der Taster deutlich erweitert [Abb. 13]. Kinnzahn sehr lang, mit deutlicher Randung.
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Abb. 13
→ 11-Endglied der Taster nur schwach erweitert. Kinnzahn ohne deutliche Randung.
#6
Vorletztes Glied der Lippentaster mit mehr als 3 Borsten. Endglied der Taster nicht so stark erweitert, beim ♂ dreieckig.. ...Mesocarabus C.G. Thomson, 1875
→ 8-Vorletztes Glied der Lippentaster mit 2, selten mit 3 Borsten. Endglied der Taster stark erweitert, besonders beim ♂.
#8
Eurycarabus Gehin, 1876Halsschild quer, der Seitenrand breit abgesetzt und aufgebogen [Abb. 14]. Submentum quer verdickt. Aedoeagus durch eigentümliche Form mit gewundener und erweiterter Spitze gekennzeichnet. Nordafrika, Sizilien, Sardinien.
carabus_faminii_hsch.gif
Abb. 14
Tomocarabus Reitter, 1896-Halsschild wenig quer, die Seitenränder schmal abgesetzt mit schmaler Randung. Flügeldeckenskulptur heptaploid (also 7 Intervalle zwischen den Primärstreifen) oder fein granuliert. Submentum nicht verdickt (Ausnahme: marginalis). Aedoeagus regelmäßig gebogen, normal geformt.
#11
Archicarabus Seidlitz, 1887Submentum quer verdickt. Flügeldeckenskulptur triploid oder pentaploid. Körper kurz und breit.
→ 13-Submentum nicht quer verdickt.
#13
→ 14Flügeldecken vor dem Ende mit einer deutlichen, tiefen Einkerbung, bei den ♀ stärker ausgeprägt. Epipleuren vor der Spitze unterbrochen. Flügeldeckenskulptur triploid oder nur mit primären Rippen.
→ 21-Flügeldecken vor dem Ende nur schwach eingekerbt. Epipleuren nicht unterbrochen. Flügeldecken unterschiedlich skulptiert.
#14
→ 15Halsschild jederseits mit 2 Seitenrandborsten.
→ 18-Halsschild jederseits mit 3-6 Seitenrandborsten.
#15
Limnocarabus Gehin, 1876Primäre Intervalle durch große, metallisch glänzende Gruben unterbrochen, die sekundären rippenförmig [Abb. 15] [Abb. 16].
carabus_clatratus_hab.jpg
Abb. 15
carabus_arelatensis_hab.jpg
Abb. 16
Tachypus Weber, 1801-Die primären Intervalle flach, rippenförmig, die übrigen geschwunden. (Autocarabus auct.)
#18
Tachypus Weber, 1801Episternen der Hinterbrust so lang wie breit. Flügeldecken hoch gewölbt. (Autocarabus auct.)
Carabus_s_str-Episternen der Hinterbrust viel länger als breit. Flügeldecken flach gewölbt.
#21
Aulonocarabus Reitter, 1896Flügeldecken mit scharfen Primärrippen, die übrigen Intervalle zu einer sehr feinen Granulation reduziert.
→ 23-Flügeldeckenstruktur triploid oder heptaploid, selten pentaploid oder verworren; nicht nur aus Primärrippen bestehend.
#23
Morphocarabus Gehin, 1885 Trachycarabus Gehin, 1876 Eucarabus Gehin, 1885Flügeldeckenstruktur triploid oder verworren, reibeisenartig, auf Körnchenreihen reduziert.
→ 25-Flügeldeckenstruktur heptaploid oder pentaploid, nur bei latreilleanus tripoloid).
#25
Oreocarabus Gehin, 1876Halsschildseitenränder breit, +/- aufgebogen, besonders zur Basis. Abdominalsternite mit oder auch ohne (bei Arten aus Spanien) Ventralfurchen.
→ 27-Halsschildseitenrand über die ganze Länge schmal. Abdominalsternite normal ohne Ventralfurchen.
#27
Orinocarabus Kraatz, 1878Flügeldeckenstruktur regelmäßig triploid oder heptaploid (etwas unregelmäßig nur bei carinthiacus). Beine ziemlich lang. Arten der mitteleuropäischen Gebirge (Alpen, Karpathen).
Diocarabus Reitter, 1896-Flügeldeckenstruktur unregelmäßig heptaploid oder pentaploid. Beine kurz. Arten der Taiga und Tundra Nordosteuropas und Sibiriens (auch truncaticollis).
#30
IniopachysOberlippe klein, zum Teil vom Clypeus überdeckt und schmäler als der Clypeus an der Basis. Arten mit stark verdicktem Kopf, Mandibeln kräftig, kaum gebogen.
→ 32-Oberlippe normal, breiter als die Basis des Clypeus.
#32
→ 33Das 4. Fühlerglied in der Endhälfte dicht pubescent.
→ 36-Das 4. Fühlerglied bis auf die Tastborsten kahl.
#33
Heterocarabus Morawitz, 1886Vorletztes Glied der Lippentaster mit 4-7 Borsten, die apikale nahe an der Spitze horizontal eingefügt [Abb. 17]. Flügeldeckenintervalle gleichartig skulptiert, die primären Streifen mit kleinen metallischen Punkten.
carabus_marietti_ts.gif
Abb. 17
Sphodristrocarabus-Vorletztes Glied der Lippentaster mit 2-3 Borsten, ohne horizontale Apikalborste. Die Skulptur der Flügeldecken bei der einzigen europäischen Art mit einer primären Tuberkelreihe, sekundären Rippen und +/- reduzierten tertiären Intervallen.
#36
→ 37Submentum mit borstentragenden Punkten.
→ 48-Submentum ohne borstentragende Punkte.
#37
→ 38Vorletztes Glied der Lippentaster mit 2 Borsten. Flügeldecken nicht flachgedrückt.
→ 45-Vorletztes Glied der Lippentaster mit mehr als 2 Borsten. Flügeldecken +/- flachgedrückt.
#38
Chrysocarabus C.G. Thomson, 1875Das Endglied aller Taster deutlich erweitert, beim ♂ beilförmig. Oberseite leuchtend metallisch. Flügeldecken mit größeren primären Grübchen.
→ 40-Das Endglied aller Taster leicht konisch erweitert. Die Oberseite düsterer oder leuchtend metallisch, dann aber die primären Grübchen sehr klein.
#40
→ 41Seitenrand der Flügeldecken an den Schultern deutlich gezähnt. Bauchsternite mit borstentragenden Punkten.
Rhabdotocarabus Seidlitz, 1887-Seitenrand der Flügeldecken auch an den Schultern glatt. Bauchsternite ohne Borstenpunkte. Primäre Intervalle rippenförmig.
#41
Ctenocarabus C.G. Thomson, 1875Abdominalfurchen tief und nicht unterbrochen. Primärrippen ununterbrochen kielförmig. Beine meist rotbraun.
Hygrocarabus C.G. Thomson, 1875-Abdominalfurchen zumindest an den Seiten nur flach eingedrückt. Primärstreifen durch große, gleichfarbige Grübchen unterbrochen [Abb. 18]. Beine schwarz.
carabus_variolosus_hab.jpg
Abb. 18
#45
Chaetocarabus C.G. Thomson, 1875Endglieder aller Taster in beiden Geschlechtern zur Spitze stark erweitert, beim ♂ beilförmig. Vorletztes Glied der Kiefertaster mit einigen Borsten an der Spitze. Zwischenräume der Flügeldecken +/- gewölbt, oft regelmäßig unterbrochen, die Primärgrübchen klein.
Platycarabus Morawitz, 1886-Endglieder aller Taster leicht konisch verbreitert, das vorletzte Glied der Kiefertaster ohne Apikalborsten. Zwischenräume der Flügeldecken flach, die primären mit großen, meist metallischen Grübchen.
#48
→ 49Vorletztes Glied der Lippentaster auf der Innenseite mit mehreren, in zwei Reihen oder zwei Gruppen angeordneten Borsten.
→ 52-Vorletztes Glied der Lippentaster auf der Innenseite nur mit zwei Borsten.
#49
Megodontus Solier, 1848Kopf nicht verdickt, Fühler ziemlich lang, Mandibeln stark gebogen. Der Basalzahn der rechten Mandibel zweispitzig [Abb. 19].
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Abb. 19
Pachycranion Solier, 1848-Kopf +/- verdickt, Fühler kurz, Mandibeln kaum gebogen. Der Basalzahn der rechten Mandibel einfach [Abb. 20] oder abgestumpft.
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Abb. 20
#52
Chrysocarabus C.G. Thomson, 1875Abdominalsternite mit borstentragenden Punkten. Flügeldecken mit durchgehend kielförmigen Primärrippen oder gleichmäßig granuliert oder glatt.
Macrothorax Desmarest, 1850-Abdominalsternite ohne borstentragende Punkte. Primärrippen der Flügeldecken unterbrochen, die sekundären durchgend kielförmig.
#55
Pachystus Motschulsky, 1866Mandibeln kurz und breit. Körper kurz und gewölbt, schwarz.
→ 57-Mandibeln lang, sichelförmig gebogen.
#57
→ 58Oberlippe normal zweilappig. Oberseite verschieden gefärbt.
Procrustes Bonelli, 1810-Oberlippe dreilappig [Abb. 21]. Oberseite mattschwarz.
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Abb. 21
#58
Macrothorax Desmarest, 1850Flügeldecken mit regelmäßiger Skulptur: Primärrippen unterbrochen, eine Tuberkelreihe bildend, die sekundären durchgehend kielförmig.
→ 60-Flügeldecken ohne regelmäßige Rippen.
#60
Lamprostus Motschulsky, 1866Flügeldecken meist glatt, nur fein gekörnt. Vordertarsen der ♂ mit 3 erweiterten und unterseits bebürsteten Gliedern
Procerus Dejean, 1826-Flügeldecken runzelig, irregulär granuliert. Vodertarsen der ♂ nicht erweitert und bebürstet.
#99
Reitter beschreibt diese Skulptur so: "Beim Studium des Genus Carabus, sowie dessen nächsten Verwandten, ist es notwendig, sich mit den Skulpturelementen derselben vertraut zu machen. Obwohl die Flügeldecken dieser meist großen Tiere uns sehr abweichend skulptiert zu sein scheinen, so müssen wir uns vor Augen halten, daß alle Arten sich aus einer Grundform entwickelt haben und daß jede sich auf diese zurückführen läßt. Das eine Extrem ist eine durchaus gleichförmige, einfache Skulptur, wie sie sich uns z.B. bei Carabus glabratus [Abb. 2], marginalis etc. darbietet, woselbst dichte und feine irreguläre Körnchen die Oberseite ausfüllen. Unter diesen Arten können Individuen vorkommen, bei denen schon die primären Punktreihen weitläufig eingestochen angedeutet erscheinen. Das andere Extrem zeigen Flügeldecken mit starken primären Kettenstreifen und dazwischen hohen einzelnen Sekundärrippen. Die Skulptur, welche zwischen diesen Extremen die Mitte hält, wäre folgende: Zwischen 3 Reihen von Kettenstreifen (primäre Reihen) befinden sich 3, 5 oder 7 Zwischenräume der Punktstreifen, welche auch kurz als Limes bezeichnet werden. Gewöhnlich sind 3 Limes zwischen den primären Reihen. Der mittlere Zwischenraum ist der sekundäre, die daneben befindlichen die tertiären, die nächsten die quaternären und so weiter. Die sekundären Zwischenräume haben das Bestreben, sich auf Kosten der umgebenden tertiären, oder auch der quaternären kräftiger zu entwickeln und werden so zu Rippen. Es sind demnach die nicht unterbrochenen Rippen auf den Flügeldecken stets als sekundäre Zwischenräume zu erkennen; neben ihnen sind dann noch Spuren der tertiären Limes angedeutet, oder sie können vollständig fehlen. - In manchen Fällen sind die Flügeldecken sehr fein und gleichmäßig gestreift, alle Zwischenräume flach, die primären nur durch einzelne eingestochene Punkte erkennbar. Diese Skulptur kann statt der Punkte durch Raspelpunkte (ein Punkt, davor ein Körnchen) oder Körnchenreihen ersetzt werden; eine solche Skulptur bildet den Übergang zu jener gleichmäßigen, regellosen Körnelung, wie sie Carabus glabratus etc. aufweist."
carabus_glabratus_rtt.jpg
Abb. 2
Erstellt am: 20.01.2017 · Letzte Aktualisierung: 28.07.2021 - 16:40:52
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